Fehlerhafte Prognosen zum Stuttgarter Wohnungsmarkt führen zur falschen Wohnungspolitik

Der Mieterverein warnt Gemeinderat und Oberbürgermeister Kuhn vor groben Fehlern der städtischen Statistiker bei der Berechnung des Wohnungsbedarfs

In einem Schreiben an die stellvertretende Leiterin der Abteilung Wirtschaft und Befragungen im Statistikamt der Stadt Stuttgart fordert Mietervereinschef Rolf Gaßmann das Amt auf, seine fehlerhaften Prognosen der Bevölkerungsentwicklung endlich einzugestehen und nicht noch den neuen Oberbürgermeister davon abhalten zu wollen, den Wohnungsmangel in Stuttgart realistisch einzuschätzen.

Der Mieterverein belegt dies anhand der letzten Prognosen des Amtes von der tatsächlichen Einwohnerentwicklung. So erwartete das Amt in seiner Prognose vom Mai 2005 einen Bevölkerungsrückgang in Stuttgart bis 2020 auf 560.000 Einwohner. Tatsächlich dürfte die Bevölkerungszahl Ende 2012 schon bei 590.000 Einwohnern gelegen sein. Die „neue Trendabschätzung“ vom Mai 2011 des Amtes ging von stagnierender Bevölkerungszahl bei 577.000 Einwohnern aus und lag damit wieder deutlich neben der Realität. Tatsächlich hat Stuttgart dagegen in 2011 und 2012 um ca. 13.000 Einwohner zugenommen.

Der Mieterverein wirft dem Statistischen Amt auch grobe Fehler bei der Ermittlung des verfügbaren Wohnungsbestandes vor. So wurde nach Einschätzung der Landesstatistiker der Ersatzbedarf für Wohnungen mehr als doppelt so hoch geschätzt. Auch die demografisch bedingte zusätzliche Nachfrage nach Wohnungen ist nach Kenntnis des Mietervereins viel zu gering.

Völlig unerklärlich ist für den Mieterverein, dass die städtischen Statistiker für 2010 sogar ein Überangebot an Wohnungen errechnet haben, während demgegenüber die Bewohner Stuttgarts bei der Bürgerumfrage die fehlenden und teuren Wohnungen als ihr Problem Nr. 1 nannten.

Für Mietervereinschef Rolf Gaßmann hat die Stadt Stuttgart auch auf Grund der falschen Bevölkerungs- und Wohnungsprognosen jahrelang die falsche Wohnungspolitik gemacht. Deshalb warnt der Mieterverein davor, dass anstehende Entscheidungen über mehr Sozialen Wohnungsbau, Wiedereinführung des Zweckentfremdungsverbots und erweiterten Kündigungsschutz bei Umwandlungen nicht durch falsche und grob beschönigende Darstellung der Wohnungssituation behindert werden dürfen.

Der Mieterverein Stuttgart schätzt den aktuellen Wohnungsmangel nach der starken Zuwanderung der letzten beiden Jahre auf ca. 15.000 Wohneinheiten.

Gez. Rolf Gaßmann
Vorsitzender


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