Mieterverein verlangt soziale Ausrichtung beim SIM-Konzept der Stadt

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Vier Zimmer für 713.000 Euro sind kein „preiswertes Wohneigentum“ und für Familien unbezahlbar

Wenn eine Familie mit zwei Kindern in Stuttgart nach dem von der Stadt geförderten preiswerten Wohneigentum sucht, gelangt sie über die Homepage der Stadt Stuttgart zum Angebot der Epple-Projekt GmbH (www.stuttgart.de/item/show/570787/1). Im Wohngebiet Azenberg-Areal bietet Epple im Programm „SIM für Familien“ zum Beispiel eine 4-Zimmer-Wohnung (113 qm) „verbilligt“ zwischen 659.900 und 687.930 Euro an (der Kaufpreis reduziert sich noch je Kind um 2.336 Euro). Zuzüglich Parkierung (15.000 Euro), Notarkosten und Grunderwerbssteuer (ca. 43.000 Euro) sind von der Familie mit zwei Kindern mindestens 713.000 Euro für den Kauf der Vier-Zimmer-Wohnung zu stemmen. Dabei erhält sie die „Vergünstigung“ nur, sofern ihr Bruttojahreseinkommen noch unter 50.800 Euro (ca. 3.300 Euro netto pro Monat) liegt. Die Verbilligung beträgt laut städtischem Merkblatt bis zu 46.700 Euro, je nach Einkommen und Kindern. Sie sei im obigen Kaufpreis bereits berücksichtigt.

In einem weiteren Merkblatt der Stadt wird die laut L-Bank tragbare Belastung bei einem Brutto-Jahreseinkommen von 50.800 Euro mit 1.260 Euro pro Monat errechnet. Selbst bei einem Eigenkapital von 100.000 Euro und einem Zinssatz von nur einem Prozent müsste die Familie damit 52 Jahre lang tilgen, um den hohen Kaufpreis abzubezahlen. Vermutlich scheitert die Finanzierung aber schon am notwendigen Eigenkapital für den Kaufpreis.

Bei einem Bruttoeinkommen bis 84.000 Euro kostet die gleiche Wohnung wegen geringerer städtischer Subvention bereits 687.930 Euro, also inklusive Parkierung und Nebenkosten  über 743.000 Euro. Trotz des angeblich „verbilligten“ Verkaufspreises von 687.930 Euro für 113 qm erlöst Epple 6.087 Euro pro qm, ein auch in Stuttgart stattlicher Preis. „Für Familien ohne Vermögen sind solche Preislagen unerschwinglich“, stellt Mietervereinschef Gaßmann fest. Und er ergänzt: „Mit SIM sollte preiswerter Wohnraum geschaffen und nicht die Rendite von Bauträgern maximiert werden. So macht das SIM-Konzept keinen Sinn!“

Der Mieterverein fordert deshalb den Gemeinderat und den Oberbürgermeister auf, das SIM-Konzept dahingehend zu ändern, dass bei neuem Baurecht der 20 Prozent-Anteil im geförderten Wohnungsbau nur im Mietwohnungsbau erstellt werden darf. Dabei haben die Bauträger die Mietobergrenzen der Förderrichtlinien des Landes einzuhalten und sich einer 25-jährigen Sozialbindung zu unterwerfen.

„Epple setzt im Villengarten das städtische Förderprogramm Preiswertes Wohneigentum um“, lobt sich der Bauträger auf seiner Homepage und lässt auf seiner Baustelle mit Besuchen von Landesministern für sich werben. Für den Mieterverein ist die staatliche und städtische Förderung von Wohnungen, die für Normalverdiener unerschwinglich sind, eine klare Fehlsubventionierung.

Gez. Rolf Gaßmann

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