Mietspiegel 2017: In Innenstadtlagen wird das Wohnen extrem teuer

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Mit Besorgnis nimmt der Mieterverein das Ergebnis der Befragungen für den Mietspiegel 2017 bis 2018 zur Kenntnis. Denn insbesondere in den Innenstadtlagen und dabei in allen Baualtersgruppen ist der Mietpreisanstieg zweistellig. „Dieser enorme Preisanstieg in der Innenstadt wird die Verdrängung einkommensschwacher Haushalte in die städtischen Außenbezirke beschleunigen.“, befürchtet Mietervereinsgeschäftsführerin Angelika Brautmeier. Auch die Mietpreisexplosion bei Kleinwohnungen treffe in der Regel einkommensschwache Einpersonenhaushalte. Rentner und Kleinverdiener müssen damit oft mehr als die Hälfte Ihres Einkommens für das Wohnen ausgeben.

Nur durch den mäßigen Anstieg der Mietpreise in den Außenbezirken wurde in Stuttgart die Durchschnittsmiete gedrückt, weshalb sich eine durchschnittliche Preissteigerung von um die 6 % gegenüber dem letzten Mietspiegel errechnet. „Während die Lebenshaltungskosten ohne Mietpreise in den letzten beiden Jahren um nur 1% gestiegen sind, hat sich das Wohnen zur Miete um das sechsfache verteuert“, bemerkt Angelika Brautmeier.

Bedrohlich für die Haushaltskasse vieler Mieterhaushalte ist vor allem die nun schon über Jahre andauernde Mieterhöhungswelle: Seit 2007 ist laut Mietspiegel die Durchschnittsmiete für eine Altbauwohnung um 50% angestiegen und ein Mieter zahlt folglich für seine Dreizimmerwohnung (68 m²) über € 215,00 mehr. Laut Einkommensstatistik sind die verfügbaren Nettoeinkommen dagegen im Zehnjahreszeitraum nur um 26,5% angestiegen. „Ein immer höherer Anteil vom Nettoeinkommen der Mieterhaushalte wird durch die Miete aufgefressen“, sorgt sich der Mieterverein.

Ursache der rasanten Mietpreissteigerungen im längst abbezahlten Altbau sind nicht Investitionen der Vermieter, sondern der Mangel an Wohnungen. So hat die Befragung beim Mietspiegel ergeben, dass energetisch nicht modernisierte Wohnungen genauso teuer sind wie modernisierte.

„Dem eklatanten Mangel an Wohnraum kann die Stadt nur begegnen, wenn sie für erhöhte Neubauzahlen sorgt“, fordert der Mieterverein seit Jahren. So hat der Wohnraumbedarf durch Zuzüge in den letzten fünf Jahren (ca. 8.000 pro Jahr) um 3.500 Wohnungen pro Jahr zugenommen. Demgegenüber sind pro Jahr durchschnittlich nur 1.500 Wohnungen zusätzlich entstanden. „Der Wohnungsmangel wird von Jahr zu Jahr krasser und lässt die Mieten durch die Decke gehen!“ erklärt Angelika Brautmeier.

In diesem Zusammenhang kritisiert der Mieterverein Stuttgart die Blockadehaltung der christdemokratischen Bundestagsfraktion bei der Reform der Mietspiegelgesetze: Die von Bundesjustizminister Heiko Maas vorgeschlagene Verbreiterung des Erhebungszeitraums bei Mietspiegeln auf 8 Jahre hätte die Mietpreise in Stuttgart um 1/3 weniger steigen lassen.

Weil der neue Mietspiegel durch neue Baualtersklassen sowie der Bewertung von Ausstattung und Lage sich grundlegend verändert hat, stellt sich der Mieterverein auf erhöhten Beratungsbedarf ein. Im Falle einer Mieterhöhung beraten die Fachjuristen des Stuttgarter Mietervereins ihre Mitglieder über die richtige Einordnung der Wohnung in den Mietspiegel. Erfahrungswerte aus der Mieterberatung zeigen, dass jede zweite Mieterhöhung nicht den rechtlichen Anforderungen an Inhalt und Form entspricht. Die sorgfältige Prüfung durch die Fachjuristen des Mietervereins lohnt sich deshalb in jedem Fall.

Der Mieterverein Stuttgart war an der Erstellung des Mietspiegels beteiligt. „Wir anerkennen den neuen Stuttgarter Mietspiegel als qualifiziert, weil auf wissenschaftlicher Grundlage erhoben“, stellt Mietervereinschef Rolf Gaßmann für den Vorstand des Vereins klar und er ergänzt „auch wenn uns die extremen Preissteigerungsraten überhaupt nicht schmecken!“

Gez. Angelika Brautmeier

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