Verpennt die Stadt den Wohnungsbau auf Flächen von Stuttgart 21?


Mieterverein bittet die Stuttgarter Abgeordneten der Regierungskoalition um „Druck auf die Bahn“

Viele Bürger in Stuttgart sehen den Hauptvorteil von Stuttgart 21 darin, dass in der Innenstadt Flächen für Wohnungsbau und Parkerweiterung freigeräumt werden sollen. Nach den ursprünglichen Planungen sollten 7.500 neue Wohnungen auf den abgeräumten Gleisflächen entstehen und in der Flächenplanung der Stadt ist das „Rosensteinquartier“ zur Bebauung in den nächsten Jahren verbindlich vorgesehen. Angesichts von Flächenknappheit und Wohnungsnot ist dies dringend notwendig.

Umso entsetzter zeigte sich Mietervereinschef Rolf Gaßmann über die voraussichtliche Verschiebung des Wohnungsbaus auf die Jahre 2035 bis 2037. „Es ist eine Katastrophe für die Wohnungssuchenden, wenn der Wohnungsbau erst 10 Jahre später kommen soll“, so Gaßmann. Der Mieterverein hat auch kein Verständnis für die vom Stuttgarter Baubürgermeister angeführten Verzögerungsgründe: Dass mit der Bahn wegen denkmalgeschützter Gleisbauwerke verhandelt werden muss, ist der Stadt seit Jahren bekannt. Offensichtlich haben die Verantwortlichen bei der Stadt es verpennt, dass vor einer Bebauung auch geschützte Eidechsen umzusiedeln sind. Dass auf Gleisanlagen auch geschützte Eidechsen leben, müsste der Stadt schon seit Beginn der S-21 Planungen vor 19 Jahren bekannt sein.

Der Mieterverein fordert nun die Stadt auf, ihre Hausaufgaben für den Wohnungsbau zu machen. Und umgehend Verhandlungen mit der Bahn über den möglichen Erhalt der Gleisbauwerke zu führen. Zudem bittet er in einem Brief die Stuttgarter Bundestagsabgeordneten der Regierungskoalition, Dr. Kaufmann, Maag und Vogt, mit politischem Druck auf die Bahn, diese für eine schnelle Einigung mit der Stadt zu gewinnen.

Es darf auch nicht sein, dass auf den ehemaligen Gleisflächen immer weniger Wohnungsbau stattfinden soll. Zunächst waren dort bekanntlich 7.500 Wohnungen vorgesehen, inzwischen sind es nur noch 6.000 und alternative Nutzungen, wie eine Übergangsoper, scheinen bei der Stadt Vorrang zu genießen.


Zurück