Wegen geringer Neubauzahlen nimmt die Wohnungsnot in Stuttgart weiter zu und die Stadt nimmt die Realitäten am Wohnungsmarkt trotzdem nicht zur Kenntnis

„Die Anzahl der neu entstandenen Wohnungen in Stuttgart ist beschämend niedrig und sollte durch den zuständigen Baubürgermeister nicht weiter schön geredet werden“. So kritisiert Mietervereinschef Rolf Gaßmann die Äußerungen von Baubürgermeister Peter Pätzold zum Nettozugang von nur 1.553 Wohnungen im Jahr 2018.

Denn laut Mieterverein Stuttgart gehen auch die Wohnbauziele der Stadtverwaltung von 1.800 Neubauwohnungen völlig am Bedarf vorbei und wurden selbst in diesem Jahrzehnt im Durchschnitt nicht erreicht. So wurden von 2010 bis 2018 durchschnittlich netto nur 1.450 Wohnungen in Stuttgart geschaffen. Demgegenüber betrug der Einwohnerzuwachs 7.000 Neubürger pro Jahr, was einem Wohnungsbedarf von 3.600 Wohnungen entspricht. “Der Fehlbestand nahm damit jedes Jahr um über 2.000 Wohnungen zu, was zu explodierenden Mieten und Kaufpreisen führt“, so Gaßmann.

Angesichts der Bevölkerungsprognose des Statistischen Amtes werde die Wohnungsnot noch schlimmer werden, befürchtet der Mieterverein. So erwarten die städtischen Statistiker bis 2030 eine Steigerung der Einwohner um 35.000 auf knapp 650.000. Dies entspräche einem zusätzlichen Wohnungsbedarf von 1.850 Wohnungen pro Jahr. Der von der Stadt selbst prognostizierte Einwohnerzuwachs liege damit schon höher als die Zahl der von der Stadt geplanten Wohnungen. Wenn auch der aktuell bestehende Fehlbestand abgebaut werden solle, müssten mindestens netto 3.500 Wohnungen pro Jahr neu entstehen.

Dass solche Wohnbauleistungen bei aktiver Förderung durch die Stadt möglich sind, zeigt Hamburg. Dort wurden im letzten Jahr 10.674 Wohnungen fertig gestellt (Hamburg hat 1.835.000 EW, Stuttgart 614.000 EW). Dies ist bezogen auf die Einwohnerzahl die doppelte Bauleistung wie in Stuttgart. Der Mieterverein fordert deshalb von der Stadt und vom neuen Gemeinderat „endlich die Realitäten am Wohnungsmarkt in Stuttgart zur Kenntnis zu nehmen und mehr Flächen insbesondere für bezahlbare Mietwohnungen zur Verfügung zu stellen.“

Gez. Rolf Gaßmann


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