Wiedervermietungsmieten laufen den Mietspiegelwerten davon

Wer in der Innenstadt eine Wohnung anmietet, zahlt im Durchschnitt fast 50 Prozent mehr als ein Bestandsmieter

Der erst vor einem halben Jahr  im Dezember 2012 veröffentlichte neue Mietspiegel wies für Wohnungen in Stuttgart eine Durchschnittsmiete von 7,50 € pro m² für eine 70 m²-Wohnung aus. Je nach Lage und Ausstattung kann eine Wohnung diesen Wert unter- oder überschreiten.  Der Vermieter kann bei einem bestehenden Mietverhältnis nur den Mietspiegelwert verlangen.

Ganz anders ist die Preissituation bei Wiedervermietungen. Hier kann der Vermieter bis zur Wuchergrenze (50 % über dem Mietspiegel!) jeden Preis fordern, den der angespannte Wohnungsmarkt in Stuttgart hergibt.

Der Mieterverein hat die von immoscout ermittelten durchschnittlichen Wiedervermietungsmieten des letzten Jahres mit der durchschnittlichen Bestandsmiete des Mietspiegels (7,50 €) verglichen. Das Ergebnis ist erschreckend: Die Wiedervermietungsmieten liegen in Stuttgarts Innenstadt  um bis zu 47 % über dem Mietspiegelwert.

Im Einzelnen ergibt die Auswertung von immoscout für die Innenstadtbezirke

Stadtbezirk                   Durchschnittsmiete        Überschreitung des
                                   pro m² bei Wieder-        Mietspiegelwertes
                                   vermietung                   von 7,50 in %

Stuttgart-Mitte                    9,65 €                                29 %

Stuttgart-Ost                       9,50 €                                27 %

Stuttgart-Nord                    10,80 €                                44 %

Stuttgart-Süd                      11,05 €                                47 %

Stuttgart-West                    10,90 €                                45 %

„Die Auswertung zeigt, dass es insbesondere in den angesagten Innenstadtquartieren Stuttgart-Süd und Stuttgart-West  bei den Mietpreisen nach oben faktisch keine Grenzen mehr gibt“, stellt Mietervereinschef Rolf Gaßmann fest. Noch bis 2004 waren der Explosion der Wiedervermietungspreise Grenzen gesetzt gewesen: Mietpreise über 20 % des entsprechenden Mietspiegelwerts waren in der Regel unzulässig und konnten als  Ordnungswidrigkeit geahndet werden. Die Mieter konnten die überhöhten Mietzahlungen zurückfordern. Auf dem Papier gibt es die Mietpreisüberhöhung nach § 5 Wirtschaftsstrafgesetz zwar immer noch. Durch die hohen  Anforderungen der BGH-Rechtsprechung wurde die einst wirkungsvolle  Waffe zu einem stumpfen Schwert. Nun muss  der Mieter nachweisen, dass der Vermieter das geringe Wohnungsangebot und die Mieternotlage ausgenutzt hat,  um den Mietpreis durchzusetzen. Dies gelingt dem Mieter vor Gericht nur extrem selten. Somit gilt  leider nur noch die Mietwuchergrenze, die erst bei 50 % über dem entsprechenden Mietspiegelwert einsetzt.

„Die Stuttgarter Entwicklung zeigt die dringende Notwendigkeit einer Mietpreisbremse bei Wiedervermietungen“, schlussfolgert Rolf Gaßmann. Leider hätten die kürzlich von SPD und Grünen im Bundestag gestellten Gesetzesanträge keine Mehrheiten gefunden, obwohl die Kanzlerin die Mietpreisbremse ins Wahlprogramm der CDU aufnehmen ließ. Laut SPD und Grünen sollten die Wiedervermietungsmieten auf 10 % über dem entsprechenden Mietspiegelwert begrenzt werden.

„Stuttgarts Mietern kommt die Ablehnung der Mietpreisbremse durch die Regierungsparteien teuer zu stehen“, kritisiert der Mieterverein. Denn die extrem hohen Wiedervermietungsmieten treffen nicht nur die Haushalte auf Wohnungssuche. „Die überhöhten Preise werden in den nächsten Mietspiegel eingehen und sind dann die Bestandsmieten von morgen“, so Gaßmann.

Große Sorge bereitet dem Mieterverein auch der rasante Anstieg der Mieten innerhalb des letzten Jahres. So stiegen die Wiedervermietungsmieten laut immoscout in nur 12 Monaten im Stuttgarter Osten um 12 %, im Stuttgarter Süden gar um 14,6 %.

Gez. Rolf Gaßmann
Vorsitzender



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