Zensus 2011 bestätigt Fehlbestand von mindestens 15.000 Wohnungen in Stuttgart

Städtische Statistiker lagen mit ihren Berechnungen krass daneben

Stuttgart hat 16000 Einwohner mehr als von der Stadt gezählt wurde

Der Mieterverein  sieht durch die bislang veröffentlichten Ergebnisse vom Zensus 2011 die Berechnungen des Stuttgarter Mietervereins, dass mindestens 15.000 Wohneinheiten fehlen, voll bestätigt. „Leider hat sich die interessierte Öffentlichkeit bislang nur mit den abweichenden Ergebnissen der Volkszählung von den fortgeschriebenen Zahlen der Landesstatistiker beschäftigt, wonach  Stuttgart  23.400 Einwohner weniger hat,  als angenommen. Gravierender für die Stuttgarter Wohnungspolitik sind jedoch die krassen Fehleinschätzungen der Stuttgarter Statistiker hinsichtlich Einwohnerzahl und der zur Verfügung stehenden Wohnungen in Stuttgart“, stellt  Mietervereinsvorsitzender Rolf Gaßmann fest.

So hatten die städtischen Statistiker in Stuttgart zum Ende des Jahres 2011 nur 573.000 Einwohner gezählt (statistische Monatshefte der Stadt Stgt. 1/2013). Zieht man hiervon noch den Einwohnerzuwachs nach dem Zensus in der zweiten Jahreshälfte 2011 ab (ca. 3.000 Einwohnern), so hätte Stuttgart am Tag des Zensus im Mai 2011 laut städtischen Statistikern nur 570.000 Einwohner gehabt. Tatsächlich ergab die Volkszählung zum  Stichtag im Mai 2011 fast 586.000 Einwohner. „Die Stadt Stuttgart hatte also am Tag des Zensus ca. 16.000 Einwohner mehr als die städtischen Statistiker zählten. Diese grobe Fehleinschätzung entspricht allein einem Bedarf von ca. 8.000 Wohneinheiten“, stellt der Mieterverein fest.

Der Wohnungsbestand ist um 6.000 Wohnungen geringer als angenommen

Auch bei der Zahl der zur Verfügung stehenden Wohnungen in Stuttgart lagen die Statistiker der Stadt mit  298.900 gezählten Wohnungen ziemlich falsch. Tatsächlich ergab der Zensus, dass Stuttgart am Stichtag nur 293.920 Wohnungen hatte, folglich 5.000 Wohnungen weniger.
Addiert man hierzu die durch die höhere Bevölkerungszahl  benötigten 8.000  Wohnungen und den vom Amt selbst festgestellten niedrigen Wohnungsfehlbestand von 1.000 Wohnungen, so ergäbe dies, selbst nach Rechenart der städtischen Statistiker, zum Mai 2011 einen Wohnungsfehlbestand von 14.000 Wohneinheiten.

Wegen dem Einwohnerzuwachs seit dem Zensus ist der Fehlbestand noch größer geworden
Seit dem Zensus-Stichtag hat sich die Wohnungssituation weiter verschärft, da  von Juni 2011 bis Ende 2012 weitere 9.000 Personen nach Stuttgart zugezogen sind, was einem Wohnungsbedarf von ca. 4.500 Wohneinheiten entspricht. Demgegenüber wurden im selben Zeitraum nur ca. 2.500 Wohnungen neu erstellt. Damit hat seit dem Zensus der Fehlbestand um weitere 2000 Wohnungen zugenommen.

Mieterverein verlangt realistische Bedarfsberechnung

„Die Ergebnisse des Zensus zeigen, dass die städtischen Statistiker mit ihrem Zahlenmaterial völlig neben den Realitäten am Wohnungsmarkt lagen und dem Gemeinderat grob falsche Entscheidungsgrundlagen zur Verfügung stellten“, kritisiert Gaßmann. Dass die Statistiker  im Jahre 2010 für Stuttgart sogar einen Wohnungsüberschuss von 2.800 Wohnungen errechnet hatten, grenze schon an Dummheit.

Der Mieterverein fordert von der Stadt endlich eine seriöse Wohnungs–Bedarfsberechnung. Diese müsse, neben den Ergebnissen des Zensus, dann auch die wegen der demografischen Entwicklung immer kleiner werdenden Haushalte in Stuttgart berücksichtigen. Schließlich seien letztlich die Haushalte nachfragewirksam am Wohnungsmarkt. Und deren Zahl steige noch schneller als die Zahl der Einwohner. „Eine an den Realitäten orientierte Bedarfsberechnung wird die dringend notwendige Anhebung der Wohnungsbauziele der Stadt  mit sich bringen!“, schlussfolgert Gaßmann.

Gez. Rolf Gaßmann
Vorsitzender


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