Zu teuer für Normalverdiener und Familien

Mietvertrag

Als Unternehmensziele weist die SWSG in ihrem Geschäftsbericht unter anderem »kinder- und familienfreundliches Wohnen« aus. Im Mieterverein Stuttgart jedoch häufen sich Klagen von Wohnungsbewerbern, dass die neu ausgeschriebenen Wohnungen der SWSG für Familien unbezahlbar seien.

So kostet eine familiengerechte große Neubauwohnung in der Karlshofstr. in Steckfeld bereits 11,00 € pro m² und ist für Normalverdiener damit unbezahlbar. Zudem schaltet die SWSG für die Vermietung inzwischen Makler ein, sodass zur Kaution von zwei Monatsmieten weitere hohe Beträge als Maklerprovision anfallen.

25 Mietwohnungsangebote ausgewertet

Die Berater des Stuttgarter Mietervereins haben 25 Mietwohnungsangebote der SWSG im Internet vom 28.7.2011 ausgewertet: Nur drei Wohnungsangebote lagen zwischen 6,50 € und 7,00 €, sieben Angebote über 9,00 €. Hinzu kommen in der Regel kalte Betriebskosten von 1,50 € bis 2,50 € pro m². Laut Geschäftsbericht weist die SWSG für das Jahr 2010 eine Durchschnittsmiete in ihrem Bestand von 6,09 € aus.

Die vom Mieterverein am Stichtag erhobenen Durchschnittsmieten der Neuvermietung betrugen dagegen 8,42 € pro m². Damit liegen die Neuvertragsmieten der SWSG 38,3% über ihren Durchschnittsmieten. „Die SWSG nutzt die Wohnungsknappheit in Stuttgart und steigert damit ihre Kapitalrendite erheblich“, kritisiert Mietervereinschef Rolf Gaßmann.

Ein kräftiger Griff in die Tasche der Mieter

So erhöhte die SWSG in den letzten zwei Jahren ihre Umsatzerlöse aus Hausbewirtschaftung (Mieteinnahmen) bei gleichem Wohnungsbestand laut Geschäftsbericht um 10,1% »mit einem kräftigen Griff in die Tasche der Mieter«, so Gaßmann. Lag die SWSG bei ihren Wohnungsangeboten früher in der Regel unterhalb des Mietspiegels, so nutzt sie inzwischen die rechtlichen Möglichkeiten bei Neuvermietungen voll aus.

Von den 25 überprüften Wohnungsangeboten lagen 14 über dem Mittelwert des Mietspiegels, 6 beim Mittelwert und nur 5 leicht unterhalb des Mietspiegelwerts. Dass Preisspielräume am Mietwohnungsmarkt nicht voll ausgeschöpft werden müssen, zeigen dagegen andere Stuttgarter Wohnungsgesellschaften. So finden sich auf der Internetseite des Bau- und WohnungsVereins sanierte Objekte zum Preis von 8,50 € pro m² und ohne Maklergebühr. Die GWG vermietet Neubauwohnungen in Stuttgart-Berg zum Preis von 8,60 € pro m², ebenso provisionsfrei.

Erstvermietungsmieten von 11,00 € pro m² sind dem Mieterverein bei Genossenschaften bislang nicht vorgekommen. „Die städtische Wohnungsgesellschaft muss auch bei ihrem nicht preisgebundenen Wohnungen für breite Schichten bezahlbare Mietpriese verlangen“, fordert Mietervereinschef Rolf Gaßmann von der SWSG. Die Stadträte im Aufsichtsrat sollten dafür Sorge tragen, dass die SWSG unter dem Vorwand der angeblich notwendigen »Strukturverbesserung« der Mieter nicht ihre eigentliche Zielsetzung verliert, nämlich für kinder- und familienfreundliches Wohnen in Stuttgart zu sorgen.

Gez. Rolf Gaßmann


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