Haus & Grund und Mieterverein Stuttgart: Stadt muss endlich mehr Anstrengungen im Wohnungsbau unternehmen

Hausbesitzer- und Mieterorganisation bekräftigen ihre Forderung nach gründlicher Bedarfsanalyse und deutlicher Steigerung der Bautätigkeit in Stuttgart


Der Stuttgarter Mieterverein und der Stuttgarter Haus- und Grundbesitzerverein haben schon seit Längerem und wiederholt darauf hingewiesen, dass die Zielvorgabe der Stadt von jährlich 1.800 neuen Wohnungen zu niedrig ist, mit der Folge, dass sich die angespannte Lage am Stuttgarter Wohnungsmarkt verfestigt und weiter verschärft. Die wiederholten Mahnungen beider Vereine, diese bisher durch keinerlei Erhebung gestützte Zielvorgabe durch eine detaillierte Bedarfsanalyse zu überprüfen, blieb bei der Stadtspitze jedoch ungehört. Um ihres immer dringlicher werdenden Anliegens Gehör zu verschaffen, haben beide Vereine Geld in die Hand genommen und Prof. Dr. Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Finanz- und Immobilienmärkte im Institut der deutschen Wirtschaft Köln beauftragt, eine Bedarfsanalyse der in Stuttgart in den kommenden Jahren benötigten Wohnungen zu erstellen. Die Ergebnisse wurden am Mittwoch, 4. Oktober vorgestellt. Sie ergeben einen jährlichen Baubedarf von 5.167 Wohnungen – und damit fast dreimal so viel wie die Zielvorgabe von OB Kuhn.

„Wir sehen uns in unseren Mahnungen mehr als bestätigt“, sagt der Vorsitzende von Haus & Grund Stuttgart, Dr. Klaus Lang. „Die Studie unterstreicht, dass die Bautätigkeit in Stuttgart bei deutlich zu wenig ambitioniert ist und den bestehenden Bedarf bei weitem nicht deckt“, so Lang weiter.

„Es geht uns hier nicht nur um irgendwelche Zahlenspiele, sondern um die Folgen dieser seit mehreren Jahren viel zu geringen Bautätigkeit sowohl für die Attraktivität des Standorts als auch für die Entwicklung der sozialen Verhältnisse in der Stadt“, betont Rolf Gaßmann, Vorsitzender des Mietervereins. „Wir erwarten daher von der Stadt, endlich diesen Zahlen nachzugehen und in einer eigenen gründlichen Erhebung den tatsächlichen Bedarf detailliert zu ermitteln.“

Und: Die Aussagen von Prof. Voigtländer können eigentlich niemand überraschen, allenfalls die Höhe des ermittelten Bedarfs. In anderen Großstädten, wie etwa München oder Köln untersucht die Stadtverwaltung eingehend die Bedarfe, in Stuttgart fehlt dies.

„Wohnungsbau braucht in unserer Stadt nicht salbungsvolle Worte, sondern Taten“, so Dr. Lang und Gaßmann, „OB Kuhn und der Gemeinderat müssen in mehrfacher Beziehung den Schalter umlegen, um die Bautätigkeit anzukurbeln.“ Aus Sicht des Mieter- wie des Haus- und Grundbesitzervereins besteht insbesondere auf drei Gebieten Handlungsbedarf: „Wir brauchen erstens mehr Verdichtung im Bestand, beispielsweise auch in Bezug auf die Höhe von Gebäuden. Zweitens wird die Stadt nicht umhin kommen, auch neue Bauflächen auszuweisen und wir brauchen drittens verstärkte Anstrengungen in den sozialen Wohnungsbau“; so Dr. Lang und Gaßmann. Hinzu kommt eine intensivere Zusammenarbeit mit der Region, wo es erhebliche Baulandreserven gibt.

Im Einzelnen müsse in Bezug auf die Nachverdichtung dem Wohnungsbau eine deutlich höhere Priorität und auch Vorrang gegenüber anderen Vorgaben eingeräumt werden, so Dr. Lang und Gaßmann.

Notwendig sei des Weiteren, den strikten Vorrang der Innenentwicklung aufzugeben und – auf der Basis zu entwickelnder klarer Kriterien – neue Baugebiete zu erschließen, vornehmlich angrenzend an bereits bestehende Siedlungsflächen in den Außenstadtbezirken, um deren Infrastruktur zu nutzen.

Angesichts der Tatsache, dass der Bestand an geförderten Wohnungen von Jahr zu Jahr rückläufig ist, schlagen Haus & Grund und Mieterverein schließlich vor, alte Belegungsrechte zu verlängern und zudem mehr neue anzukaufen. „Des Weiteren soll das Wohngeld dem veränderten Preisgefüge angepasst und dynamisiert werden. Auch die Förderprogramme der Stadt gibt es zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu justieren“, so die Vorsitzenden des Mieter- und des Haus- und Grundbesitzervereins.

Wohnungsbau ist und bleibt das geeignetste Mittel gegen übermäßig steigende Mieten und ist damit der beste Mieterschutz. Private Vermieter, die den hiesigen Markt überwiegend ausmachen, würden auch in Zukunft gerne bauen und damit – wie bisher – ihren Beitrag zur Wohnraumversorgung leisten.


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