Stuttgarter Angebotsmieten beschleunigen sich und steigen im Jahr 2018 um 7,2 Prozent

2-Zimmerwohnung in der Innenstadt kaum noch unter 1000 Euro zu mieten

Der Mieterverein Stuttgart hat die Entwicklung der Angebotsmieten der vergangenen Jahre bei Immoscout ausgewertet. Danach stiegen die Angebotsmieten in ganz Stuttgart im letzten Jahr um 7,2 Prozent, in vier Jahren um 26,8 Prozent. In den Innenstadtbezirken verteuerten sich die Mietpreise sogar um 28 Prozent in den letzten vier Jahren (von 2013 bis 2017 waren es  noch 24,7 Prozent). In den gefragten Stadtbezirken Süd, West und Nord nähern sich die Angebotsmieten den 15 Euro pro Quadratmeter an. Rechnet man die Betriebskosten hinzu, so ist gemäß den Zahlen von Immoscout eine Dreizimmerwohnung (70 qm)  nicht mehr unter 1200 Euro pro Monat zu bekommen, selbst eine 2-Zimmerwohnung (55 qm) kostet knapp 1000 Euro. „Es ist untragbar, dass für Durchschnittsverdiener in Stuttgart die Hälfte und mehr des Nettoeinkommens für die Wohnkosten draufgeht“, erklärt hierzu Mietervereinschef Rolf Gaßmann.

Die durchschnittliche Angebotsmiete liegt inzwischen um 34 Prozent über der durchschnittlichen Bestandsmiete des Stuttgarter Mietspiegels. Während die Mietspiegelwerte in den letzten vier Jahren um schon 13,7 Prozent nach oben gegangen sind, sind  die Angebotsmieten mit 26,8 Prozent fast doppelt so stark gestiegen, in den Innenstadtbezirken noch stärker.

Dabei wirkt sich die Explosion der Angebotsmieten extrem auch auf die Steigerung der Bestandsmieten aus. Denn 62 Prozent aller für den neuen Mietspiegel erhobenen relevanten Mietpreise stammen bereits aus Neu- und Wiedervermietungen der letzten vier Jahre. Sie waren damit der Preistreiber des neuen Mietspiegels. Der Bund müsse deshalb sein beim Wohngipfel in Berlin gegebenes Versprechen wahrmachen und das Mietspiegelgesetz verändern: alle erhobenen Mieten, nicht nur die in den letzten vier Jahren neu vereinbarten oder erhöhten, müssen in die Mietspiegel eingehen.

Leider gibt es in Baden-Württemberg zurzeit keine gesetzliche Möglichkeit, die Explosion der Angebotsmieten zu bremsen. Denn selbst die Mietpreisbremse ist durch Gerichtsbeschluss ausgesetzt. „ Deshalb ist die Landesregierung gefordert, möglichst umgehend für eine gerichtsfeste Mietpreisbremse zu sorgen und die Mieter vor den Wuchermieten zu schützen“, fordert der Mieterverein.

Auch die Stadt könne etwas gegen explodierende Neuvertragsmieten tun, so Gaßmann. So müsse der Gemeinderat schnellstens das SIM-Konzept so funktionsfähig machen, dass auch tatsächlich bei neuem Baurecht geförderter Wohnraum in Stuttgart entsteht und nicht nur unbezahlbare Luxuswohnungen gebaut werden. Zum anderen solle die Stadt mehr Wohnbauflächen für bezahlbare Mieten bereitstellen und die Beschränkung auf die Innenentwicklung endlich aufgeben. „Die Neubautätigkeit der letzten 5 Jahre deckte nicht einmal die Hälfte des Wohnraumbedarfs, der durch den Einwohnerzuwachs notwendig ist“, bemängelt der Mieterverein.

Gez. Rolf Gaßmann



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