Stuttgarts Mieter sind am Mieten-Limit

„Wohnen in Stuttgart wird nahezu unerschwinglich“, stellt Mietervereinsgeschäftsführerin Angelika Brautmeier anlässlich der Vorstellung des neuen Mietspiegels für 2019/2020 fest. Betrug die Durchschnittsmiete des Mietspiegels zu Beginn des Jahrzehnts noch 7,40 Euro pro qm, so liegt sie inzwischen bei 9,60 Euro pro qm – eine Steigerung um 30 Prozent in nur 8 Jahren.

Bei schlechter Ausstattung und im Außenbezirk beginnen die Preise für eine 3-Zimmer-Wohnung zwar bei 6,10 Euro pro qm. Mit sehr guter Ausstattung und Innenstadtlage weist der Mietspiegel dagegen Preise von bis zu 16 Euro pro qm für eine 3-Zimmer-Wohnung aus, unter 45 qm sogar bis 17,50 Euro pro qm. „Solche Preise sind auch für die Mittelschicht inzwischen unbezahlbar“, stellt der Mieterverein fest. So hat auch Caritas-Direktor Uwe Hardt erst jüngst beklagt, dass „immer mehr Familien mit Durchschnittseinkommen nach Abzug der Wohnkosten auf Sozialhilfeniveau leben müssen“. Stuttgarts Mieter sind tatsächlich am Mieten-Limit.

Der Mieterverein kritisiert, dass trotz der extremen Mietsteigerungen der Bundestag immer noch nicht die Regelungen zur Mietspiegelaufstellung geändert hat und nur diejenigen Mieten in die Mietspiegel einfließen, die in den letzten 4 Jahren erhöht oder neu vereinbart wurden. Gerade aber die Wiedervermietungsmieten sind in den letzten Jahren explodiert und schlagen sich jetzt im Mietspiegel nieder: Bereits 62 Prozent der mietspiegelrelevanten Mietverhältnisse, die Eingang in den neuen Mietspiegel gefunden haben, stammen aus neu abgeschlossenen Verträgen der letzten vier Jahre. „Damit spiegelt der Mietspiegel nicht die tatsächlich bezahlten Bestandsmieten wieder, sondern vor allem die teuersten Wohnungen in Stuttgart“, stellt Angelika Brautmeier fest.

Der Deutsche Mieterbund und die in ihm zusammengeschlossenen Mietervereine fordern seit langem vom Bundestag, dass alle Mietverhältnisse in die Mietspiegel einbezogen werden müssen, sowie die Gesetzeslage bis 1982 war: „Wir verlangen, dass die CDU/CSU ihre Blockadehaltung in der Großen Koalition hier aufgibt“, sagt Angelika Brautmeier. „Wenn der Markt verrückt spielt, muss der Gesetzgeber eingreifen.“

Bei den Wiedervermietungsmieten hatte der Mieterverein bereits zu Beginn 2018 eine durchschnittliche Miete von 14 Euro pro qm in den Innenstadtbezirken ermittelt. Diese Wuchermieten schlagen nun auf den neuen Mietspiegel voll durch. „Auch hier versagt der Gesetzgeber, weil er keine wirksame Mietpreisbremse zustande gebracht hat“, beklagt der Mieterverein.

„Wir erwarten sowohl von den Wohnungsgesellschaften als auch von den Wohnungsgenossenschaften und von den privaten Vermietern in Stuttgart, dass sie auch die soziale Situation ihrer Mieter berücksichtigen und sich mit weiteren Mieterhöhungen zurückhalten“ erklärt Mietervereinschef Rolf Gaßmann und fordert Stuttgarts anständige Vermieter zu einem freiwilligen Moratorium auf: „Damit leisten sie einen Beitrag zum sozialen Frieden in unserer Stadt. Die stadteigene Wohnungsgesellschaft SWSG ist hier schon mit gutem Beispiel vorangegangen.“

Der Mieterverein rät allen Mietern, nicht jede Mieterhöhung zu akzeptieren und vor einer Zustimmungserklärung unbedingt Rat und Hilfe des Mietervereins in Anspruch zu nehmen.

Der Mietspiegel ist zum Preis von 7 Euro in der Geschäftsstelle des Mietervereins erhältlich. Für Mitglieder reduziert sich der Preis auf 2,50 Euro. Gegen Briefmarken und Freiumschlag übersenden wir auch postalisch.

Gez. Rolf Gaßmann


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