Die viel zu niedrigen Wohnbauziele werden den Wohnungsmangel in Stuttgart weiter ansteigen lassen

Mieterverein erinnert OB Nopper an sein Wahlversprechen

Der Mieterverein zeigt sich enttäuscht, dass laut Verwaltungsvorlage an den Gemeinderat bis 2033 nur 20.000 Wohnungen auf Baustelle gehen sollen. Dies sind pro Jahr gerade einmal 1.800 Wohnungen und noch 200 weniger, wie es OB Nopper noch vor seiner Wahl versprochen hatte.

Nur 1.800 Wohnungen hatten die städtischen Statistiker in ihrer heftig umstrittenen Bedarfsanalyse 2021 errechnet. Dabei zeigten die Erfahrungen der Vergangenheit, dass die Bedarfsprognosen der städtischen Statistiker leider immer erheblich unter den realen Entwicklungen von Einwohnern und Wohnungsnachfrage lagen. So hatten diese für die Jahrtausendwende in Stuttgart einen Schwund auf 530.000 Einwohner prognostiziert. Noch im Jahr 2005 gab das Amt für 2020 als Ziel das Halten von 590.000 Einwohnern aus, wofür jährlich 1.800 Wohnungen zu bauen seien. Tatsächlich wurden von 2010 bis 2018 für den jährlichen Zuwachs von 3.000 Haushalten in Stuttgart nicht einmal 1.500 Wohnungen zusätzlich gebaut und der Wohnungsmangel von Jahr zu Jahr größer.

Nach Einschätzung des Mietervereins wird die weitere Entwicklung von Stuttgart davon abhängen, ob es endlich gelingt für Neubürger ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ein Festhalten am viel zu geringen Neubau auf Grund falscher Prognosen wird letztlich dazu führen, dass sich falsche Prognosen erfüllen können, zu Lasten der Wohnungssuchenden und zu Lasten einer dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung von Stuttgart. Zunehmend berichten Firmen, dass der Wohnungsmangel die Anwerbung dringend benötigter Fachkräfte erheblich behindert. Die Gewinnung von Fachkräften wird insbesondere wegen des Renteneinstiegs geburtenstarker Jahrgänge in den nächsten Jahren für viele Stuttgarter Unternehmen zur Existenzfrage werden,

Andere Großstädte in Deutschland planen ihre zukünftige Entwicklung weit dynamischer. Während bis zum Jahr 2030 München einen Einwohnerzuwachs von 140.000 auf 1,6 Mio. erwartet, Hamburg mit 146.000 zusätzlichen Einwohnern die 2 Mio. überschreiten will, rechnen Stuttgarts Statistiker nur mit einem Zuwachs von 6.000 Einwohnern insgesamt bis 2030. So viel Zuwachs hatte und hat Stuttgart, ausgenommen die Corona-Jahre, tatsächlich pro Jahr. München und Hamburg bauen je 100.000 Einwohner doppelt so viele Wohnungen. Unter den Städten über 600.000 Einwohnern trägt Stuttgart beim Neubau seit Jahren die rote Laterne. „Der Mieterverein erwartet, dass OB Nopper endlich die Wende einleitet und sich an den im Wohnungsbau erfolgreichen Städten orientiert.  Ein „weiter so“ kann sich Stuttgart nicht leisten“, erklärte Mietervereinschef Rolf Gaßmann.

Für notwendig und richtig hält der Mieterverein die angekündigte „Finanzspritze“ der Stadt an ihr eigenes Wohnungsunternehmen SWSG. Schließlich sind neu gebaute Wohnungen auch Vermögenswerte, deren Wertzuwachs der Stadt als alleinigem Eigentümer der SWSG zufällt. Um die zeitweise und teilweise kriegsbedingte Kostenexplosion am Bau abzumildern sollte die Stadt zudem den Genossenschaften Zinszuschüsse anbieten, damit diese weiterhin ihren Beitrag zum dringend erforderlichen Wohnungsneubau erbringen können. Angesichts des riesigen Wohnungsbedarfs werde die Krise im Wohnungsbau nicht auf Dauer sein und die Stadt sollte ihren Beitrag zur Überbrückung leisten.

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